Potsdam - Studieren zwischen Schlössern und Sternen

Tomer Shenar, Doktorand an der Universität Potsdam (Credit: T. Shenar / UP)

Als Jugendlicher war ich mit Freunden zu einem Fest in der Wüste Negev eingeladen und wir schauten spät nachts hoch in einen phantastischen Sternenhimmel. Seitdem hat mich die Faszination Astrophysik nicht mehr losgelassen. Ich wollte mehr über unser Universum wissen und studierte zunächst Physik und Mathematik am Technion in Haifa, Israel. Es war aber nicht das Studium, das ich mir vorgestellt hatte. 2011 kam ich zum Masterstudium nach Potsdam und hatte von Anfang an das Gefühl, hier richtig zu sein.

Tomer Shenar, Doktorand an der Universität Potsdam

Die Astrophysik lockte nach Potsdam

Astrophysik ist ein Spezialgebiet der Physik und wird in Deutschland nur an wenigen Universitäten als eigenständiger Masterstudiengang „Astrophysik" beziehungsweise „Astronomie“ angeboten. Zum Beispiel in Potsdam, einem der vier wichtigsten Standorte astrophysikalischer Forschung in Deutschland. Hier können Studierende schon im Bachelor-Studium Physik astrophysikalische Themen belegen.

Im Master in Potsdam können Studierende dann wie Tomer Shenar einen Schwerpunkt auf Astrophysik legen. Ihn faszinierten Fragen wie, wie funktionieren Sterne und Sternentwicklung? Wieviele Galaxien gibt es und wie verteilen sie sich im gesamten Kosmos? Die theoretischen Vorlesungen begleiten Übungen, ein astrophysikalisches Praktikum und Seminar. Im weiteren Studienverlauf kommen ein Modul zur höheren Physik dazu, zum Beispiel Relativitätstheorie, sowie ein Modul zu Spezialgebieten der Astrophysik oder Ergänzungsgebieten, wie beispielsweise Astrobiologie. Von Anfang an stehen aktuelle Forschungsfragen auf dem Studienplan, um später eigene wissenschaftliche Projekte durchführen zu können. Tomer Shenar hat diese Chance genutzt. Heute schreibt er seine Doktorarbeit in Potsdam über massereichen Sterne.

Zahlen & Fakten:

  • mehr als 20.000 Studierende

  • vielfältige Studienmöglichkeiten an 5 Fakultäten

  • 3 Standorte: Neues Palais, Griebnitzsee, Golm

  • Forschungsstark

 Gebäude der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät (Credit: UP)

Gut vernetzte Uni

Das Studium findet hauptsächlich an der Universität Potsdam statt. Sie gehört zu den mittelgroßen Universitäten Deutschlands und bleibt trotz ihrer 20.000 Studierenden übersichtlich. Zu den Anlagen gehören ein großzügiger, moderner Campus in Golm aber auch historische Bauten auf dem Campus Neues Palais im Park Sanssouci. Mehr als 50 gemeinsame Berufungen vernetzen die Universität mit 21 Forschungseinrichtungen und sorgen dafür, dass eine große Bandbreite an aktuellen Forschungsprojekten direkt in die Lehre einfließt und Studierende die wissenschaftliche Dynamik ihrer Fächer erleben können. 

Studieren ganz persönlich

Im Bereich Astrophysik stehen Studierenden die Türen zu Lehrenden nicht nur sprichwörtlich offen. Das überraschte Tomer Shenar zunächst, da er von seinem Bachelor-Studium eher eine Massenuni gewöhnt war. Studierende waren dort eine anonyme Menge. In Potsdam hatte er jedoch einen regelmäßigen Austausch mit den Dozentinnen und Dozenten auch außerhalb von Vorlesungen und Seminaren. Nicht wenige seiner Kommilitoninnen und Kommilitonen arbeiteten als studentische Hilfskräfte an der Universität oder den außeruniversitären Forschungseinrichtungen und konnten so wertvolle Einblicke in aktuelle astrophysikalische Forschung gewinnen. Oft entstehen hier die ersten Kontakte für das spätere Projekt der Masterarbeit oder Promotion.

Zusätzlich zur sehr guten fachwissenschaftlichen Ausbildung können Studierende während des Studiums wichtige Schlüsselkompetenzen erwerben, die beim Jobeinstieg helfen oder eine professionellen Unternehmensgründung unterstützen. Die Universität Potsdam gilt außerdem als ausgesprochen familienfreundliche Hochschule mit verschiedenen Unterstützungsmöglichkeiten für junge Eltern, speziell auf Uni-Kids ausgerichteten Angeboten und Kinderspielplätzen. Einen wichtigen Beitrag, Potsdam zu einem attraktiven Wohn- und Studienort zu machen, leisten vor allem die Studierenden selbst. Sie engagieren sich in zahlreiche Projekte der Studierendenschaft. Die Bandbreite reicht von fachbezogenen über politische und kulturelle bis hin zu sportorientierten Gruppen.

Potsdam - eine grüne Stadt

Zum Forschen und Lernen ins Grüne zu fahren, ist für Tomer Shenar kein Luxus, sondern Realität. Wie viele andere Forschende und Studierende nutzt er täglich die guten Nahverkehrsverbindungen und hat somit Zeit für das Lesen von Forschungsliteratur oder zum Vorbereiten von Präsentationen. Auf dem Uni-Campus hat er außerdem die Ruhe und Raum, sich intensiv mit forschungstheoretischen Fragen auseinanderzusetzen. Potsdam liegt gerade einmal 25 Kilometer von der Metropole Berlin entfernt, hat sich jedoch seinen kleinstädtischen Charme bewahren können. In den vielen Park- und Grünanlagen erholen sich Potsdamer, Studierende und Touristen gerne. Beliebtes Ziel ist vor allem das Schloß Sanssouci, das zusammen mit dem gleichnamigen Park 1990 in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen wurden. In unmittelbarer Nähe des Stadtzentrums laden über zwanzig Seen und Gewässer zum Baden oder Wassersport mit und ohne Boot ein. Potsdam als Olympiastützpunkt ist besonders erfolgreich im Kanu- und Rudersport mit mehrfachen Olympiasiegen.

Anziehungspunkt Berlin

Eigentlich dachte Tomer Shenar nach dem anstrengenden Bachelor-Studium an ein internationales Sabbatical in Berlin, lernte in Rekordzeit Deutsch an der Volkshochschule und entdeckte eher zufällig die Studienmöglichkeit im Bereich Astrophysik an der Universität Potsdam. Zum nächsten Semester schrieb er sich dann direkt für Physik ein und ist seitdem Potsdam treu geblieben. Wie so viele Wissenschaftler pendelt er zwischen Potsdam und Berlin, seinem Wohnsitz, und nutzt die Zeit im Regionalexpress, um wissenschaftliche Artikel zu lesen, Paper zu reviewen oder Präsentationen vorzubereiten. So viel Zeit zum Lesen sagt er, sei ein Luxus. Dabei fährt der Zug nur knapp 30 Minuten.

Die Nähe zu Berlin bietet beinahe unendliche Möglichkeiten für Kultur, Freizeit, Feiern, Party, Musik, Geschichte, Politik, Unterhaltung und nicht zuletzt natürlich Wissenschaft und Forschung. Die Hauptstadtregion ist außerdem Anziehungspunkt für junge Entrepreneure aus aller Welt und entwickelt sich zu einem wahren StartUp-Zentrum Europas. Ähnlich wie Tel Aviv in Israel, wohin Tomer Shenar regelmäßig reist, um Familie und Freunde zu besuchen. Und wenn es sich ergibt, bewundern sie gemeinsam den phantastischen Sternenhimmel.